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Deutschland, Vaterland, Stiefvaterland! Von der Symbolischen Politik zur Politischen Wirklichkeit

von Natasha A. Kelly

Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 versank Deutschland in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer. War dies das Ergebnis der vorangegangenen Social-Marketing-Kampagne „Du bist Deutschland“? Oder täuschten die Fahnenschwenker über fehlendes politisches Handeln hinweg und/oder versuchten sie ihr nur mäßiges politisches Wissen zu kompensieren? Und überhaupt: Wer stand am Ende der Fahnenstangen – der „Deutschdeutsche“, der „Andersdeutsche“ oder der „Nichtdeutsche“? Deutschland des 21. Jahrhunderts: facettenreich und farbenfroh. Doch wie sieht die politische Realität hierzulande eigentlich aus?

In: Marvin Oppong (Hrsg.) (2011): “Migranten in der deutschen Politik”, s. 109 – 113

 

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Rasse“ – in der Wissenschaft, im Alltag und in der Politik

von Natasha A. Kelly

Es gilt als bekannt, dass der Begriff „Rasse“ („R.“) erstmals durch Immanuel Kant nach Deutschland kam. Bis ins 17. Jh. hinein wurden Tier- und Pflanzenarten in biologische „R.n“ unterteilt, wobei der Begriff Gruppen kennzeichnete, die sich durch konstante und vererbbare Merkmale unterscheiden. Während der sog. Aufklärung wurde die Bedeutung des Begriffs mit Hilfe der neuen Wissenschaften wie der Anthropologie, Sexualwissenschaft und Eugenik auf Menschen übertragen, die demzufolge in verschiedenen „R.n“ klassifiziert wurden und aufgrund ihrer „R.nzugehörigkeit“ nicht änderbare Eigenschaften zugeschrieben bekamen. Der deutsche Anthropologe Johann Friedrich Breitenbach (1775) und der deutsche Philosoph Christoph Meiners (1785) führten die „rassistische“ Hierarchisierung ein. Ihre Theorien wurden von Arthur de Gobineau 1853 durch die bewertende Unterscheidung zwischen „höheren und „niederen „R.n“ erweitert. Diese biologische Unterscheidung bereitete den Weg für die nationalsozialistische „R.hygiene“.

In: Adibeli Nduka-Agwu/Antje Lann Hornscheidt (Hrsg.) 2010, S. 344 – 350
 

Das N-Wort

von Natasha A. Kelly

Das erste Mal als ich das Wort hörte, war ich zehn Jahre alt. Meine Familie war gerade aus Großbritannien in ein kleines Dorf an der niederländischen Grenze gezogen. Fortan sollten meine Geschwister und ich die deutsche Schule besuchen und die deutsche Sprache lernen. Deutsche Sprache, schwere Sprache! Die ersten drei Worte, die ich verstehen sollte, waren „Ja“, „Nein“ und „N.“, was jedoch keine Übersetzung erforderte. Das letzte Mal als ich das Wort hörte, war vor kurzem, als ich in meinem Heimatdorf über den Kirchplatz ging, wo eine Gruppe Jugendlicher sich versammelt hatte. Wohlwissend, dass sie auf Provokation, verbale Gewalt und rassistische Diskriminierung aus waren, was deutlich wurde, als sie mir das N-Wort wiederholend hinterher schreien, schritt ich stumm an ihnen vorbei. Kein einfacher Gang! Zwischen beiden Ereignissen liegen viele Jahre und viele „N.s“ (Nicht nur die Gehörten!) Schlage ich das N-Wort im Rechtschreibduden meines Geburtsjahrs (1973) nach, lese ich folgende Einträge:  Neger…wird häufig als diskriminierend empfunden; Negerin (Duden 2001: 684)

In: Adibeli Nduka-Agwu/Antje Lann Hornscheidt (Hrsg.) 2010, S. 157 – 166.

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“Sie sind afro-deutsch? …Ah, ich verstehe” – Zur Entstehung eines neuen deutschen Literaturgenres

Es gibt eine Vielzahl von Bezeichnungsmöglichkeiten wie “Ausländerliteratur”, “Literatur von außen”, “Literatur von innen” oder der neuere Begriff “Migrationsliteratur”, die allesamt dazu eingesetzt werden, jene Werke zu kategorisieren, die von Autor/innen geschaffen werden, die nicht zur weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft gehören. Zwar betont der Begriff “Migrationsliteratur” den soziokulturellen Diskurs und die Thematik der Migration, fokussiert werden aber ausschließlich jüngere Migrationsbewegungen um den so genannten “Nichtdeutschen”. Verzwickt in einer politischen, sozialen und ebenso literarischen Debatte, wer als “Migrant/in” und wer oder was als “deutsch” klassifiziert werden darf, bleibt in der Schlacht um die richtige oder gar “politisch korrekte” Benennung die Selbstbenennung und Selbstbestimmung der afrodeutschen Autor/innen und Protagonist/innen (auch Schwarze Deutsche genannt) außer Acht gelassen…

In: Albert Gouaffo (2010): Mont Cameroun. Afrikanische Zeitschrift für interkulturelle Studien zum deutschsprachigen Raum. Band No. 6: Literaturen der Migration in Deutschland: Das Beispiel Afrika ISSN: 1812-7148, S. 83 – 102

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Afroism. Zur Situation einer ethnischen Minderheit in Deutschland

The publication of my master thesis is presently only available in German.

Die Vorstellung vom blonden, blauäugigen Deutschen ist längst überholt und das Staatsbürgerschaftrecht reformiert. Dennoch bleiben es die phänotypischen Merkmale, die die vermeintliche Herkunft und das Nichtdeutsche für jedermann offensichtlich machen. Bereits Anfang der 90er Jahre artikulierte die HipHop-Formation Advanced Chemestry die Situation, die heute noch für viele Menschen der afrikanischen Diaspora in Deutschland Alltag ist (Zitat): “Nicht anerkannt, fremd im eigenen Land, kein Ausländer und doch ein Fremder!” Eine Dekade später setzen die Brothers Keepers exakt an dieser Stelle wieder an: Hip Hop wird gezielt als Instrument für Verständigungsprozesse genutzt und in einen sozialen Zusammenhang gebracht. Aufgrund ähnlicher Erfahrungen, die in Auseinandersetzung mit der “weißen” deutschen Mehrheitsgesellschaft entstehen, teilen die Mitglieder des Musikkollektivs nicht nur miteinander, sondern auch mit Anderen dasselbe Wissen. Die Kommunikation wird zur Gemeinsamkeit, indem sie die Kommunikatoren gleichmacht und gleichartig denken lässt.

  • Broschiert: 112 Seiten
  • Verlag: Vdm Verlag Dr. Müller (September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3639041356
  • ISBN-13: 978-3639041354

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