Colors of Feminism

coFWelche „Farbe“ haben Feministinnen? Oder ist Feminismus „farblos“? Wer gilt in feministischen Kreisen als „farbig“? Und wer als „farbenblind“? Diese und ähnliche Fragen werden in aktivistischen Frauenkreisen immer wieder aufs Neue gestellt und führen auf die falsche Fährte. Denn der angloamerikanische Kampfbegriff Colors lässt sich nicht mit „Farben“ oder „farbig“ übersetzen. Vielmehr ist von Widerstand die Rede: Women of Color sind Frauen des Widerstands! Und widerständige Frauenpositionen gibt es innerhalb der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft viele. Doch gerne werden diese auf einer einzigen Positionierung reduziert, in einer einzigen Stimme verein(nahm)t – von jenen weißen Feministinnen, die die Kategorie Gender für sich beanspruchen, entdependieren und eigenständig verhandeln.

Und hier liegt der Trugschluss, denn Gender kann nicht ausgesondert oder gesichtet werden. Gender ist alleine nicht denkbar, kann nicht anderen Kategorien vor- oder übergeordnet werden. Gender ist auch nicht additiv, sondern immer interdependent, d. h. Gender ist nur in Konnektivität mit anderen Kategorisierungen, wie z. B. Race gangbar. Gender ist somit nicht ausschließlich als feministisches Handeln abschließbar, in (Gender-)Gerechtigkeit übertragbar oder an Inter- oder Transsexualität gebunden. Vielmehr ist die Diskriminierungserfahrung [Rassismus&Sexismus] als Effekt der untrennbaren Verwobenheit von Race & Gender für Schwarze Frauen eine spezifische Form der Mehrfachdiskriminierung.

Schwarze Frauen, die von Weißen – Frauen wie Männern – seit  jeher als „farbig“ konstruiert werden, werden demnach aus feministischen Kontexten ausradiert, wenn Feminismus, in dem Versuch antirassistisch zu sein, als „farblos“ re_produziert wird. Denn „farblos“ sind nur jene weißen Frauen, die das Privileg der Unsichtbarkeit genießen. Und darin liegt die Farbenblindheit derer Feministinnen, die beispielsweise unter dem Deckmantel von FEMEN rassistisch & sexistisch handeln, wenn sie die weißen Blicke des weißen Mannes auf ihren nackten weißen Brüsten lenken. Genau diese weißen Blicke versuchen wir Schwarze Frauen seit Jahrhunderten von uns abzuwehren – in Schwarzen Feministischen Widerstandskämpfen!

Von Solidarität kann hier also nicht die Rede sein! Im Gegenteil: ein solches Vorgehen wirkt ehr entsolidarisierend, wenn überwiegend weiße Frauen im Namen des Feminismus [Rassismus&Sexismus] performen. Denn die Nacktheit des Frauenkörpers ist im Sinnbild der Sklavin verankert, auf deren weiblichen Körper Rassismus biologisch eingeschrieben wurde – und noch immer wird. Auf diese Weise erhielt unsere nackte Haut eine vermeintliche Farbe, Hautfarbe was als visuelle Markierung zur Herausbildung von „Rassen“ führte und noch immer in der Vorstellung von Colors als Farbe fälschlich weiter(be)lebt (wird).

Ausgeblendet wird dabei die Wiederaneignung des Begriffs Schwarz, was nicht auf die vermeintliche Farbe der Haut verweist, sondern weit darüber hinaus unsere soziale Realität relegiert, die aus unserer Historizität, kollektiven Erfahrungen und Schwarzem Widerstand gewachsen ist. Demnach verweist Schwarz nicht darauf, dass wir „farbig“ sind oder uns über Hautfarbe definieren, sondern ist Ausdruck unserer sozialen Positionierung, von wo aus wir immer auch Sexismus erleben. Nämlich auch dann, wenn Rassismus und dessen Verschränkung mit Sexismus innerhalb der Frauenbewegung entthematisiert wird.

Dieser Text ist der Versuch, meine wichtigsten Gedanken und Anmerkungen zusammenzufassen, die ich auf der Podiumsdiskussion „Colors of Feminism“, die am 25. April 2013 von der Frauenkreise Berlin organisiert wurde, ansprach und zu benennen versuchte.

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